«Vieles, was genutzt werden könnte, wird wieder verblassen»

Frank Raddatz betreut seit 25 Jahren den Lehrgang «Eidg. Fachausweis Privatversicherung» an der Handelsschule KV Basel. Wir haben mit ihm über die Umstellungen des Unterrichts und deren Auswirkungen auf die Zukunft gesprochen. 


Wie haben Sie die anspruchsvolle Zeit des Lockdown und die damit verbundenen zwingenden und raschen Umstellungen erlebt, was waren die Reaktionen der Studierenden? 

Wir hatten die Studierenden bereits in der Vorwoche, als noch physischer Unterricht stattfand, auf diese bevorstehende Möglichkeit hingewiesen. So konnten wir rasch reagieren, da einer meiner Dozenten direkt den ganzen Lehrgang mit den Studierenden auf «Skype-Schulung» umstellte. Das funktionierte mehr oder weniger reibungslos. So konnten wir Zeit gewinnen und die nachfolgenden Dozenten mit an Bord nehmen. Die Studierenden konnten den Unterricht ohne Weiteres absolvieren.

Die Kursunterlagen waren schon früher nach dem Blended-Learning-Ansatz durch Berufsbildungsverband strukturiert vorbereitet – mit PowerPoints, Fragebögen etc. Dadurch konnten wir als Dozierende hauptsächlich zwei Lösungsmöglichkeiten nutzen.

  1. Gruppen- oder Einzelarbeiten wurden von den Studierenden unmittelbar ausgeführt, mittels WhatsApp-Chat geteilt und besprochen.
  2. Die Gruppenarbeiten wurden ausgelassen, der Unterricht entsprechend gekürzt, die Lehrperson teilte die Gruppen ein. Bis zum nächsten Unterrichtsblock hatten die Studierenden die Aufgaben gelöst und präsentierten diese im nächsten Block als Rückblick.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Unterricht?

Für den Lehrgang «Eidg. Fachausweis Privatversicherung» kann ich so viel mitgeben, dass wir auch künftig eine 50-Prozent-Quote im Fernunterricht anstreben.

Wie sieht das «Neue Normal» für Ihr Institut aus?

Die Lockdown-Phase war eigentlich unser «neues Normal»: Die Studierenden haben während der ganzen Zeit den Unterricht vollumfänglich besuchen können – sie konnten ja nicht ins Training, den Ausgang oder sonstwie raus. Dieser positive Effekt zeigte sich in sehr interessanten Diskussionen und der besseren Vorbereitung als in anderen Jahren. Die Möglichkeit, den Stoff einmal etwas anders zu vermitteln, haben wir sehr begrüsst. Normalerweise bearbeiten wir ein Thema einmal pro Unterricht, inklusive Vorbereitung. Nun wurde der Stoff besser vorbereitet, einmal im Unterricht behandelt, dann in Gruppenarbeiten repetiert und im Folgeblock präsentiert. Ich bin auf die Prüfungsresultate gespannt. 

Nichtsdestotrotz wird schätzungsweise vieles, was genutzt werden könnte, verblassen; Menschen werden in alte Muster zurückfallen. Für mich sehr schade, dass dieser Innovationsschub nicht weiter und energischer genutzt wird. Das sehe ich leider generell in der Schweizer Wirtschaft. Ausserdem bin ich überzeugt, dass auch von den Möglichkeiten der «Schule der Zukunft» die engagierten und interessierten Studentinnen und Studenten besser profitieren werden als die anderen. So gestalten die fähigsten Fachleute gemeinsam die Zukunft.