«Früher glich ein Versicherungsantrag nicht selten einem ‹Sudel›»

Unser VBV Vorstandsmitglied Michel Chresta hat in seiner Berufslaufbahn viel gesehen in der Versicherungsbranche. Vor fast 40 Jahren hat er als gelernter Speditionskaufmann bei der «Winterthur» (heute AXA) als «Aussendienstler» angefangen, nur drei Jahre später führte er bereits die eigene Generalagentur. Uns hat er verraten, was sich seit dem Beginn seiner Tätigkeit 1982 am markantesten verändert hat und was er jungen Berufseinsteigenden mit auf den Weg gibt.


Was war Ihr erster Berufswunsch als Kind?

Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, wollte ich Automechaniker werden.

 

Wie sind Sie dann als Speditionskaufmann zur Versicherungsbranche gekommen?

Indirekt: Zunächst machte ich einen «Abstecher» in einen Handels-Familienbetrieb. Das funktionierte aber leider nicht meiner Vorstellung entsprechend. Ich war damals bei der «Winterthur» versichert und von der Ausstrahlung dieser Marke fasziniert. So bewarb ich mich dort spontan mit dem Wunsch, Transportversicherungen zu verkaufen. Zu jenem Zeitpunkt war ich schon im Verkaufs-Aussendienst tätig, und ich malte mir grössere Chancen aus, wenn ich meine Fähigkeiten im Verkauf und meine Erfahrungen im Speditionsgewerbe einbringen könnte.

 

Wann ist der Entscheid für die Vorstandsarbeit beim VBV gefallen, und was war der Grund?

An der DV 2015 erhob ich als damaliger Delegierter des SVVG den Anspruch, dass der SVVG im Vorstand des VBV vertreten sein sollte. Dieser Antrag stiess auf Zustimmung. Der Vorstand des SVVG war der Ansicht, dass ich diese Aufgabe wahrnehmen solle, zumal ich über die Jahre als Delegierter mit den Themen schon einigermassen vertraut war. Grund? Als wichtiges Bindeglied zwischen Gesellschaften und Kunden spielen die Generalagenturen eine wichtige und entscheidende Rolle. Die Generalagenturen sind mit ihren Mitarbeitenden von Entscheiden des VBV direkt betroffen. Dementsprechend wollten und wollen wir noch heute unsere Erfahrungen einbringen, unsere Interessen vertreten und mitgestalten.

 

Was ist heute anders in der Versicherungsbranche als zu Beginn Ihrer Tätigkeit?

Sehr vieles… generell kann man sagen, dass der Job des Aussendienstes einiges anspruchsvoller und die Professionalität markant höher ist. Einige weitere Stichworte:

  • Heute ist alles viel schnelllebiger, hektischer, Veränderungen erfolgen in hoher Kadenz. In den Achtzigerjahren war es im Vergleich zu heute ziemlich beschaulich.
  • Es herrscht viel stärkerer Wettbewerb. Zu Beginn meiner Tätigkeit war ja das Angebot in Prämien und Konditionen homogen (Kartell). Die Differenz machte der Versicherungsberater, damals Versicherungsinspektor, mit seinen Beziehungen aus.
  • Heutige Kundinnen und Kunden sind viel kritischer und preisbewusster.
  • Die Produkte sind vielfältiger und bunter, das Angebot breiter. Wir gehen viel individueller auf die Bedürfnisse der Kunden ein.
  • Die «Voice of customer» hat heute bei jeder Versicherungsgesellschaft eine zentrale Bedeutung. Aus dem Anbieter- ist ein Nachfragemarkt geworden.
  • Und da ist natürlich die Digitalisierung. Während ich mich in den Anfangsjahren mit mindestens fünf Tarifbüchern und viel Papier herumschlagen musste, erledige ich heute alles mit einem Notebook. So sehen Anträge heute sauber und professionell aus, früher glich ein Antrag oft einem «Sudel» mit teils kaum leserlichen Notizen, Korrekturen usw.
 

Was raten Sie einem jüngeren Einsteiger im Versicherungsvertrieb?

Spiel dein spezielles Talent, deine Persönlichkeit aus. Geh raus zu deinen Kunden, hör ihnen zu, sei interessiert, erarbeite kundengerechte Lösungen und begeistere. Gewinne sie für dich, schliess Partner- und Freundschaften. Sei nicht Policenverkäufer, sondern ein vernetzt denkender, lösungsorientierter Profi für langjährige Beziehungen. Liebe deine Berufung. Sei Optimist und Chancendenker.

 

Was machen Sie mit einem «geschenkten Tag»?

Da zieht es mich raus in die Natur, um Luft und Energie zu tanken.

 

Was ist Ihr Lebensmotto?

Mach, was dir Spass macht, und dies mit positiver Attitüde, Freude und Leidenschaft.