KI in der Prüfungserstellung: Effizienzgewinn mit Verantwortung

Generative KI ist längst mehr als ein kurzfristiger Trend. Richtig eingesetzt, kann sie Prozesse effizienter gestalten und Fachpersonen gezielt entlasten. Der VBV nutzt dieses Potenzial bewusst – mit einem klaren Grundsatz: KI unterstützt. Die Verantwortung bleibt beim Menschen.

 

Warum neue Wege notwendig sind

Die Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung in der Versicherungswirtschaft steigen kontinuierlich. Prüfungen müssen heute kompetenzorientiert, praxisnah und methodisch-didaktisch fundiert sein. Gleichzeitig stösst das bewährte Milizsystem in der Prüfungsentwicklung zunehmend an organisatorische und zeitliche Grenzen.

Um die Qualität der Prüfungen langfristig zu sichern, setzt der VBV generative KI gezielt dort ein, wo zeitintensive Routineaufgaben anfallen – ohne bewährte Prinzipien oder Qualitätsstandards aufzugeben.

Wo der VBV generative KI einsetzt

Generative KI wird beim VBV insbesondere bei der Erstellung kompetenzorientierter Prüfungsaufgaben eingesetzt, unter anderem in folgenden Bereichen:

  • Entwicklung von Mini Cases und Use Cases

  • Ausarbeitung von Critical Incidents

  • Vorbereitung von Fachgesprächen inklusive Orientierungshilfen für Expertinnen und Experten

  • Vorabkorrektur offener Fragen

  • Analyse von Diplomarbeiten

  • Teilautomatisierung von Korrekturen bei offenen Fragestellungen

Zum Einsatz kommt KI unter anderem in folgenden Bildungsgängen und Handlungsfeldern:

  • Kaufmann/-frau EFZ Privatversicherung – Qualifikationsverfahren (praktische Arbeit)

  • Versicherungsvermittler/in VBV – Prüfungsentwicklung

  • Versicherungsfachmann/-frau mit eidg. FA – Modulprüfungen und Vorarbeiten zur Korrektur

Ziel ist es, repetitive Aufgaben effizienter zu gestalten und Expertinnen und Experten mit qualitativ vorbereiteten Prüfungsfragen zu unterstützen.

Der Mensch bleibt im Lead

Die Grundhaltung des VBV ist klar: Die inhaltliche Verantwortung für die Prüfungsaufgaben liegt weiterhin bei den Expertinnen und Experten der Branche.

Konkret bedeutet dies: Prüfungsaufgaben werden zunächst durch den VBV mithilfe generativer KI vorbereitet. Anschliessend erfolgt die Übergabe an die zuständigen Fachpersonen zur Qualitätssicherung, fachlichen Prüfung und Freigabe.

 Dieses Verfahren («Human-in-the-Loop») stellt sicher, dass:

  • fachliche Korrektheit gewährleistet ist

  • Praxisrelevanz erhalten bleibt

  • Qualitätsstandards eingehalten werden

  • Verantwortung klar geregelt ist

Der Einsatz von KI verändert somit den Ablauf – nicht aber die Verantwortlichkeiten.

Vom Pilotprojekt zur Qualitätssteigerung

Der Weg zur heutigen Lösung war ein Lernprozess. Zu Beginn wurden die durch KI generierten Prüfungsfragen und -fälle kritisch beurteilt. Die inhaltliche Korrektheit, Vollständigkeit und Zuverlässigkeit lag anfänglich bei rund 50 Prozent.

Durch gezielte Iterationsschlaufen, Optimierungen der KI-Assistenten und die enge Abstimmung mit Fachexpertinnen und -experten konnte die Qualität auf über 75 Prozent gesteigert werden.

Zentrales Ziel war von Beginn an, das Milizsystem zu entlasten. Expertinnen und Experten sollen Prüfungsfragen und -fälle erhalten, von denen ein Grossteil – mindestens 75 Prozent – den hohen Anforderungen an Qualität und Praxisrelevanz entspricht.

Der individuelle Aufwand der Fachpersonen wurde dabei nicht reduziert. Mit dem gleichen Einsatz kann jedoch ein Mehrfaches an qualitativ hochwertigen Prüfungsfragen generiert werden – ein Umfang, der ohne KI-Unterstützung kaum mehr realisierbar wäre.

KI bringt Effizienz, ersetzt aber keine Expertise. Unser Ziel ist es, die Expertinnen und Experten mit smarten Tools zu entlasten – nicht, sie zu ersetzen.

Christoph Bosshard, Leiter Learning Solutions & IT, VBV

 

Starke Partnerschaft mit ICT-Berufsbildung Schweiz

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit ICT-Berufsbildung Schweiz. Bei der Entwicklung der verschiedenen KI-Assistenten sowie beim gezielten Einsatz generativer KI profitiert der VBV von der grossen Erfahrung von ICT-Berufsbildung Schweiz. Dort wird generative KI bereits seit einiger Zeit erfolgreich in der Prüfungsentwicklung auf den Stufen Fachausweis und Höhere Fachprüfung eingesetzt.

Der fachliche Austausch zwischen den beiden Berufsbildungsverbänden bildet eine wichtige Grundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung der KI-Assistenten sowie für die weitere Qualitätssteigerung handlungskompetenzorientierter Prüfungen.

Innovation mit Augenmass

Der VBV versteht generative KI nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. KI schafft Freiräume, erhöht Skalierbarkeit und unterstützt die Qualitätssicherung – bei klar geregelter Verantwortung.

So verbindet der VBV Innovation mit bewährter Professionalität und stärkt die Praxisnähe und Zukunftsfähigkeit der Berufsbildung in der Versicherungswirtschaft.